Freiheit oder Regeln?

Es gibt wohl kaum eine Gemeinschaft, einen Staat, einen Verein oder eine sonstige menschliche Gruppierung auf der Erde, in der keine Gesetze oder Regeln herrschen. Manche sind nur mündlich überliefert, entstammen langen Traditionen und werden auch manchmal nach Bedarf variiert und ausgelegt. Andere Gesetze und Vorschriften sind klar definiert und konkret formuliert. Wie könnten in einem Staat Strafrecht oder Finanzrecht funktionieren, wenn jeder es hält, wie er es gerade möchte?

Doch wie ist das in der Keimzelle unserer Gesellschaft, in der Familie? Müssen dort auch feste Gesetze gelten oder herrscht hier die persönliche Freiheit jedes einzelnen vor? Keine leicht zu beantwortende Frage und besonders an den unterschiedlichen Erziehungformen der letzten Jahrzehnte wird die grundsätzliche Diskrepenz deutlich: Antiautoritäre Erziehung war ein großes Schlagwort in den 50er und 70er Jahren, fußend auf der Flower-Power-Bewegung. Selbstbestimmung und keine Einengung durch andere war die Basis. Doch wer redet heute noch davon? Kaum jemand. Sie hat sich nicht durchgesetzt. Kinder, denen keine Grenzen gesetzt werden, können nicht lernen, die Grenzen anderer zu respektieren. Wenn zwei miteinander umgehen, dann kann nicht jeder grenzenlos tun, was er möchte, sondern muss sich mit dem anderen arrangieren. Wenn man Regeln und Grundsätze miteinander abspricht, weiß jeder, woran er ist und worauf er sich verlassen kann.

Das ist ein zentraler Aspekt von Regeln: Sie schaffen Vertrauen. Ich weiß, worauf ich bauen und mich verlassen kann. Ohne Regeln wie in der antiautoritären Erziehung schwimme ich immer im Ungewissen. Wer möchte das seinen Kindern zumuten? Sagen wir nicht immer: Du kannst dich auf mich verlassen? Das lernen Kinder nur wenn sie wissen: Auf A folgt B. Felsenfest.

In einer Familie braucht es kein Strafgesetzbuch mit Prügelstrafe, aber es braucht feste Strukturen. Kinder lernen am leichtesten durch Nachahmen und durch Vorbilder. Wer die Kinder zu Zuverlässigkeit, Treue und Verbindlichkeit erziehen möchte, der muss es vorleben. Ein Plan fürs Tischabräumen taugt nur dann etwas, wenn auch Mama und Papa ihren Teil beitragen und sich an die Regeln halten.

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